
Schäden ohne große Sperrungen beheben: Die beheizbaren Asphalt-Container von ATC machen es möglich. Während im Herbst die Reparaturarbeiten im Auftrag der Kommunen noch laufen, steht der nächste Winter vor der Tür. Frostschäden drohen.
Straßenschäden beseitigen: ATC Asphalt
Thermo Container, Hessisch Lichtenau
Manche mögen´s heiß, wusste der USamerikanische Drehbuchautor,
Filmregisseur und Filmproduzent Billy Wilder. Asphalt mag es sehr
heiß: Bei ungefähr 175 ˚C lässt er sich am besten verarbeiten und
hat die längste Lebensdauer. Bei Großbaustellen ist das kein
Problem, denn die Lieferfahrzeuge verfügen über eine Technik wie
bei Thermoskannen. Schwierig wird die Sache, wenn es sich um kleine
Mengen handelt. Für diese Anwendung hatte Axel Richter vor
inzwischen mehr als 20 Jahren eine Idee.
„Ich bin direkt nach der Grenzöffnung viel durch die neuen
Bundesländer gefahren, um Kontakte für meine Firma zu knüpfen, und
habe miterlebt, in welch schlechtem Zustand die Straßen waren“,
berichtet er. „Ich habe mehrere Sätze Felgen in dieser Zeit
verbraucht.“ Es war ihm klar, dass eine großflächige Sanierung der
Straßen Jahre in Anspruch nehmen würde – eine Ausbesserung aber
sofort notwendig war.
In Skandinavien wurde er fündig. Dort gab es Fahrzeugaufsätze,
in denen Asphalt mit einem Gasbrenner auf Temperatur gehalten
werden konnte. 1991 gründete er mit dieser Idee die Firma ATC
Thermo Container. Zunächst eröffnete er eine Niederlassung in
Eisenach und importierte Fahrzeuge, die er für den deutschen Markt
modifizierte. Von der ersten Stunde an dabei war Bettina Stenzel,
sie leitet heute als Prokuristin ATC. Zunächst wurden die Fahrzeuge
nur in den neuen Bundesländern an Kommunen und Bauunternehmen
verkauft. Ein Monteur und ein Verkäufer waren die ersten
Mitarbeiter, erinnert sie sich. Heute sind es zwanzig Beschäftigte.
Der Firmensitz befindet sich seit 1994 in Hessisch Lichtenau, wo
auch das Stammwerk der Richter Maschinenfabrik AG beheimatet ist.
Das Unternehmen machte 2010 einen Umsatz von drei Millionen Euro.
In mehr als 20 Ländern in Europa hat die Firma
Auslandsniederlassungen, auch nach Russland und Südafrika wurden
bereits Thermo Container geliefert.
ATC bietet Container in verschiedenen Ausführungen an, die sich
darin unterscheiden, wie viel Asphalt sie aufnehmen können. Die
kleinsten Container werden auf einen Kleintransporter, zum Beispiel
ein Multicar, montiert und haben ein Aufnahmevolumen von 1,5
Tonnen. Er kommt bei kleinen Reparaturarbeiten zum Einsatz. „Wir
haben den ATC 25 M auch schon an Autobahnmeistereien geliefert. Sie
können mit diesem Gerät schnell kleinere Schäden beheben, ohne dass
die Autobahn lange gesperrt werden muss“, berichtet Bettina
Stenzel. Es gibt Container, die fest montiert sind oder solche, die
auf ein Fahrzeug aufgesetzt werden können. Der größte Container
fasst 20 Tonnen. Er kommt zum Einsatz, wenn schnell großflächige
Fahrbahnreparaturen notwendig sind oder Rad- und Gehwege zügig
befüllt werden sollen. „Noch größere Typen sind nicht möglich, weil
die Container dann nicht mehr auf einen Lkw passen“, erklärt
Stenzel.
Der Asphalt bleibt 24 Stunden heiß, daher ist man unabhängig von
den Öffnungszeiten der Mischwerke und kann ihn an der Baustelle
lagern, ohne dass es zu Qualitätsverlusten kommt. Das Material kann
auch verbaut werden, wenn die Witterungsverhältnisse ungünstig
sind. Bis -1 ˚C Bodentemperatur ist die Verarbeitung möglich. Vor
Ort wird der Asphalt über eine oder mehrere Förderschnecken in der
benötigten Menge aus dem Container herausgeholt. Einige größere
Container verfügen über zwei Kammern, in denen unterschiedliche
Mischungen transportiert werden können, die zum Beispiel für den
Unterbau und für die Deckschicht benutzt werden.
„In den vergangenen zwei Jahren ist die Nachfrage in Deutschland
sehr stark angestiegen, weil die Kommunen mehr Geld zur Verfügung
haben, um Straßenausbesserungen vorzunehmen“, berichtet Axel
Richter. „Wir haben in diesem Jahr schon 100 Container
verschiedener Größen ausgeliefert. Einige der Container, die wir
vor über 20 Jahren ausgeliefert haben, sind immer noch im
Einsatz.“
In der Entwicklung ist ein Container, der Recyclingmaterial
direkt von der Straße aufnehmen kann, aufarbeitet und dann heiß
wieder verwendet. Diese Neuentwicklung nennt sich Green Power. „Mit
diesem Container kann man Altmaterial aufarbeiten und sofort auf
der Baustelle als Unterbau verwenden“, erklärt der Firmenchef. „Das
spart Entsorgungskosten, Arbeitszeit und reduziert den Einsatz von
neuem Material.“
Elisabeth
Bennighof
(Fotos: Bennighof/ATC)
www.ihk-kassel.de
www.wirtschaftnordhessen.de